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news >> 2021 >> 210301_05

01.03.2021

Goldschmied Fabian rockt das Berufliche Schulzentrum Löbau 01

Antisemitische Verschwörungserzählung im Wirtschaftskunde-Unterricht

Löbau (ipr) Der Wirtschaftskunde-Unterricht am Beruflichen Schulzentrum der sächsischen Großen Kreisstadt Löbau hat Vorkriegsniveau erreicht. Dort wird antisemitischer Verschwörungsunsinn als Unterrichtsmaterial genutzt. Konkret geht es um die Geschichte vom Goldschmied Fabian als vermeintliche Erklärung für die Entstehung des heutigen Geld- und Zinssystems.

Der Konflikt

Vergangenen Mittwoch wurde in der Zimmererklasse die Zeichentrickvariante der Geschichte „Gib mir die Welt und fünf Prozent“ gezeigt. Die Fachlehrerin soll zum Schluss den Film mit den Worten "Und so ist es!" kommentiert haben. Auf Basis dieses Films wollte die Lehrerin eine Leistungskontrolle durchführen. Drei SchülerInnen verweigerten die Arbeit wegen des antisemitischen Filminhalts. Einen Schüler, der dagegen wegen des antisemitischen Inhaltes argumentierte, soll sie angeschrien haben, dass "sie nicht in einem Land leben wolle in dem sie ihre Meinung nicht frei äußern kann".

Die Geschichte

Fabian erfindet das Geld und verleiht es an seine Mitbürger. Am Jahresende kassiert er dafür fünf Prozent Zinsen. Da aber die Geldmenge immer konstant bleibt und der wirtschaftliche Erfolg nicht bei allen eintritt, geraten immer mehr Menschen in seine Abhängigkeit. Das lässt andere Goldschmiede aufhorchen.

"Goldschmiede aus anderen Teilen des Landes waren interessiert an seinem Erfolg, und Fabian berief ein Treffen der Goldschmiede ein, das bereits unter Geheimhaltung stattzufinden hatte. Schließlich durfte der Schwindel nicht an die Öffentlichkeit gelangen, wenn die Sache weiterhin funktionieren sollte. Nach etlichem Abwägen wurde eine Logenbruderschaft gegründet und die Mitglieder auf absolutes Stillschweigen vereidigt. Sie nannten sich die 'Erleuchteten' – und die neu 'erleuchteten' Goldschmiede begannen nun in allen Teilen des Landes nach Fabians Anweisungen Geld zu verleihen."

Im Film wird bei der Gründung der Geheimloge als Siegel eine Spitze der Pyramide mit dem Auge der Vorsehung gezeigt. Der Hinweis auf eine globale Verschwörung des Illuminatenordens.

Im zweiten Antisemitismusbericht des vom Bundestag eingerichteten unabhängigen Expertenkreises heißt es über den Film: „… Als Beispiel sei hier die vom Kopp-Verlag unterstützte Videoproduktion »Gib mir die Welt plus 5 Prozent. Die Geschichte vom Goldschmied Fabian« genannt. Der Verlag vertreibt esoterische, rechtspopulistische und rechtsextreme Bücher und ist mittlerweile auch online präsent. Nach der Vorlage eines Textes des Australiers Larry Hannigan aus dem Jahr 1971 transportiert das Zeichentrick-Movie, das von Michael Kent (Hinz), der der Scientology-Sekte nahesteht, und seiner Firma Neue Impulse e. V. produziert wurde, auf subtile Weise antisemitische Klischees über »Machtjunkies der Finanzdynastien«, die »Macht über die Massen« erlangen und die Welt beherrschen.«"

Beim sächsische Verfassungsschutz ist der Trickfilm "nicht als extremistisch eingestuft. Ebenso wenig der KOPP-Verlag, der gemäß eigener Recherche an seiner Entstehung beteiligt war. … Der Film selbst weist inhaltlich eklatante Lücken und volkswirtschaftliche Ungereimtheiten auf; strafrechtliche Relevanz ergibt sich daraus jedoch nicht." Soweit die Antwort auf eine Anfrage von gegenrede.info. Zu den Punkten Antisemitismus oder Verschwörungserzählung, die der Film beinhaltet, äußert sich der VS nicht.

Ironie von der Geschicht

Der Expertenkreis hat noch weitere Erkenntnisse über den Film: "Offensichtlich fallen auch Lehrer auf diesen Unsinn herein, wenn sie den Trickfilm als sinnvolles Unterrichtsmaterial ansehen, das vermeintlich das Finanz-, Geld und Zinssystem erklärt. So jedenfalls kann man es Postings auf YouTube entnehmen: »also wir hams in der Schule bis Teil 2 angeschaut ... Rest war Hausaufgabe« oder »Kann man gut als Schulvideo benutzen […]."

Die Schule

Offensichtlich gilt das auch für die Wirtschaftskundelehrerin des Beruflichen Schulzentrums Löbau. Die Direktorin und ihr Stellvertreter sind unterrichtet. Stellvertreter Klaus Seibt schrieb gegenrede.info: "Da wir den Vorfall gegenwärtig noch klären, geben wir hierzu keine Stellungnahme ab."

Immerhin soll es am Freitag zu einer offenen Diskussion in der Klasse gekommen sein. Die Direktorin, ihr Stellvertreter, der Klassenlehrer und die Fachlehrerin sollen anwesend gewesen sein. Das spräche für eine positive Gesprächskultur an der Schule und dafür, dass man die Bedenken der SchülerInnen nicht einfach wegwischt. Die Fachlehrerin soll allerdings den Argumenten der kritischen SchülerInnen nicht gefolgt sein.

siehe auch
Wer Hinz & Kunz nicht Ken(n)t

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