[home]   [hintergrund]   [forum]   [blog]   [impressum]
<h1>info-portal rechtsextremismus</h1>
Nachrichten, Berichte, Analysen zum Rechtsextremismus in der Uckermark
 
[news]
news >> 2020 >> 200908_01

08.09.2020

Verfassungschutzbericht Brandenburg

Burgunden als Newcomer 2019

Schwedt (ipr) Elfeinhalb Jahre nach ihrer Gründung haben es die Burgunden aus Schwedt in den Verfassungsschutzbericht des Landes Brandenburg geschafft. Das wird diesen vermeintlich unpolitischen Haufen empören.

Wörtlich heißt es auf Seite 59 der VS-Berichtes: «Der Motorradclub "Burgunden Schwedt/Oder" hat sich 2019 von seiner öffentlich propagierten politischen Enthaltsamkeit endgültig verabschiedet. Der Gründer der Gruppierung hat im Jahr 2017 eine fremdenfeindliche Straftat begangen, für die er zu einem Jahr Haft verurteilt wurde. Die Strafe ist zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt. Das Urteil ist seit März 2019 rechtskräftig. Im gleichen Monat traten die Burgunden als Veranstalter einer rechtsextremistischen Musikveranstaltung mit dem Hass-Musiker Michael Regner alias "Lunikoff" in Schwedt auf. Am 30. Mai 2019 folgte eine Veranstaltung mit der rechtsextremistischen Band "Wutbürger" in Zehdenick (Oberhavel). Damit dokumentierte die Bruderschaft, dass sie Teil der rechtsextremistischen Szene ist.»


Lunikoff in Schwedtscreenshot: ipr

Lokale Presse verschleiert

Zu Karnevalsbeginn 2019 berichtete die Prenzlauer Zeitung über eine Gerichtsverhandlung um eine Gewalttat in Schwedt. Ein 40-jähriger Vater soll seinem Sohn, der Streit mit einem Syrer hatte, mit einem Knüppel zu Hilfe geeilt sein und den Syrer damit verletzt haben. Was den LeseRinnen damals als aktueller Prozessbericht verkauft wurde, war allerdings schon über ein Jahr her. Bei dem Täter handelt es sich nach Recherchen von gegenrede.info um ein Mitglied des Motorradclubs "Burgunden Schwedt/Oder".

Vaterliebe mit rechtsextremen Hintergrund

Zu ihrem zehnjährigen Jubiläum im Mai diesen Jahres sagte ihr Clubchef Mike Neumann dem Tantower Wordpress Blog: «Wir machen hier kein Geheimnis daraus, die meisten der Gründungsmitglieder waren NPD Mitglieder und wir haben die "Schnauze voll" von der Politik, zumindest wie sie damals in unserer Region war. Mit Mopeds und Motorrädern sind die meisten der Gründungsmitglieder aufgewachsen und damit lag es nahe unseren Club zu gründen. Der Club soll kein reiner MC sein, sondern eine Bruderschaft und die MC´s als Vorbilder. Der Gedanke war und ist "frei zu sein" mit Menschen die wie Brüder sind, eine zweite Familie, auch andere Clubs kennen zu lernen und nicht so zu sein wie der Mainstream.»

Zu dieser Freiheit und gegen den Mainstream sein gehört nun scheinbar auch das Prügeln von anderen Menschen. Im Prozessbericht der Prenzlauer Zeitung wird dazu die Aussage der Freundin des Opfers zitiert. Sie habe gesehen, «wie der Angeklagte ihn geschlagen und zusammengetreten hat. "Mehrere Männer waren plötzlich da und gingen auf ihn los. Wir sind geflüchtet. Er hatte Verletzungen, und die Klamotten waren zerrissen. Die Angreifer sind mit Auto und Motorrad geflüchtet."»


Lunikoff rechts neben Clubchef Mike Neumannscreenshot: ipr

Die Brüder halten dicht

Weitere Täter hatte die Polizei nicht ermitteln können und der Angeklagte hatte die Tat bestritten. Er hatte allerdings zugegeben, dass er am Ort des Geschehens war. «"Das stimmt nicht. Mein Sohn hat mich angerufen, weil er bedroht wurde. Da bin ich natürlich hin." Der Vater erinnert sich, dass ein großer Tumult herrschte. Flaschen seien geflogen. Er habe seinen Sohn gesucht, aber nicht gefunden. "Kann sein, dass ich vielleicht jemanden bei der Suche geschubst habe. Aber geschlagen habe ich niemanden. Ich war allein und hatte keinen Schlagstock dabei."»

Sowohl das Opfer als auch weitere Zeugen hatten ihn allerdings wiedererkannt. Der Staatsanwalt sprach dann in seinem Plädoyer von einen "Rollkommando", das sich über den körperlich weit unterlegenen Syrer hergemacht habe.

Tatzeit war der 28.10.2017. Der Prozess fand am 13.08.2018 statt. Der Bericht in der Prenzlauer Zeitung erschien am 11.11.2019. Mittlerweile hat ein Berufungsverfahren stattgefunden bei dem sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft ihre Berufung zurückgezogen haben. Das Urteil ein Jahr Haft, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt ist, ist seit dem 18.03.2019 rechtskräftig. Hinzu kommen noch 600 Euro Schmerzensgeld für das Opfer.

Noch mehr Gewalt

Im Juni 2018 griff Papa Burgunde erneut ein und an. Das war nur drei Monate nach der Rechtskraft seiner Verurteilung und unter Bewährung. Sein Sohn hatte Probleme mit zwei Jugendlichen, die der damals 45-Jährige furchteinflößend und langfristig löste. Die Gerichtsverhandlung im August letzten Jahres endete mit einer Einstellung hinsichtlich der Verurteilung des Angeklagten im vorherigen Verfahren.

Burgunden hart an der rechten Szene

Im März vergangenen Jahres traten die Burgunden Schwedt das erste Mal in diesem Jahr als Veranstalter einer rechtsextremen Musikveranstaltung auf. Laut Brandenburgischen Verfassungsschutzes mausern sich die Burgunden zu einer Bruderschaft, die "der rechtsextremistischen Szene nahe steht und als Multiplikator für diese gilt. Sie veranstaltet Szeneevents wie Konzerte, auf denen auch Rechtsextremisten auftreten oder die Rechtsextremisten zur Finanzierung nutzen."


Die Burgunden erklären sichscreenshot: ipr

Der Verfassungsschutz bezieht sich damit auf einen Liederabend des Nazi Kultmusikers Michael Regner alias "Lunikoff" in Schwedt im März diesen Jahres und eine Konzertveranstaltung am 30. Mai in Zehdenick (Oberhavel). Dort wurde gemeinsam mit der Bruderschaft "Sons of Future" eine Veranstaltung mit Sacha Korn, Mirko Borchert, Jule Juls und der Berliner Rechtsrock-Band Wutbürger angekündigt. Die Gemeinde verhängte eine Nutzungsperre über das Gebäude und die Polizei schickte die Konzertbesucher nach Hause. Letztendlich fand das Konzert im familiären Kreis statt.

Die "Wutbürger" kotzten sich bei den rechten Netzwerk-Organisatoren von "Ein Prozent" aus. Der Sänger der "Wutbürger", Andy Habermann, saß für die AfD im Stadtrat von Werneuchen. Was in dem Opfer-Filmchen nicht auftaucht, ist das Blut & Ehre Tattoo am Unterarm des Gitaristen Oliver S.. Im November 2019 wurde bekannt, dass der VS Brandenburg die Berliner Rockband "Wutbürger" als rechtsextrem einstuft.

Erklärendes

Zwischen diesen beiden Musikveranstaltungen durfte dann Mike Neumann seine Burgunden im Tantower Wordpress (TWP) unter den Augen eines Bundespolizisten ins rechte Licht rücken. «Und wenn sie uns mit Rechts oder Nazis in Verbindung bringen, dann sagen wir "Okay" heut´ zu Tage ist ja jeder ein Nazi der die Politik der Bundesrepublik Deutschland (BRD) nur in infrage stellt und deshalb können hier alle gut damit umgehen. Die, die uns kennen lernen wollen, werden schnell sehen, dass wir einen gesunden Menschenverstand besitzen aber sehr wohl gewissen Dinge kritisch betrachten und nicht hinnehmen wollen. Das Wort Nazi und dessen Bedeutung muss uns sowieso mal einer erklären!»

Die Burgunden wollen Gutes tun und damit ablenken

In jenem Interview im Tantower Wordpress darf sich "Neumi" - so wird er dort anbiedernd genannt - noch ein wenig beklagen, dass die Stadt Schwedt und das Evangelischen Jugendfürsorgewerk (EJF) soziales Engagement der Burgunden stets Steine in den Weg gelegt haben. Aber nun habe man etwas gefunden. «Nun, 2019, unterstützen wir das Projekt "Glücksmobil" von Enrico Wendt aus Passow, die Annäherung ist in vollem Gange. Dieses Projekt erfüllt schwerstkranken Menschen ihren allerletzten Herzenswunsch bevor sie Sterben.»

Rückblick

Im Dezember 2009 schrieben die Burgunden an gegenrede.info. Der damalige uckermärkische Kreistagsabgeordnete Andy Kucharzewski hatte die NPD gerade verlassen. Gegenrede.info hatte berichtet, dass neben Kucharzewski zahlreiche NPDler bei den Burgunden zu finden seien. "Hiermit geben wir bekannt, das sich in den Reihen der Burgunden Schwedt/O kein einziges NPD Mitglied befindet, da diese schon vor geraumer Zeit aus der Partei ausgetreten sind." Weiter heißt es: "Sollten Sie unseren Club nochmals in irgend eine politische Ecke drängen und dafür keine Beweise haben, werden wir uns juristisch dagegen wehren." Als Absender wurde Burgunden Schwedt/0 genannt. Das hat sich mit der Erwähnung der Burgunden im Verfassungsschutzbericht wohl erledigt.



Ihre Meinung

zurücknach oben