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20.06.2020

Nazis eine neue Heimat geben

Von der "Entgrenzung des Rechtsextremismus"

Templin (ipr) Wenn am Samstagnachmittag vier Männer aus dem Vorstand der AfD Uckermark auf dem Templiner Marktplatz ans Mikrofon treten, steht das symbolisch für die rechtsextreme Entwicklung der Partei, die zur Einordnung als Verdachtsfall durch den Brandenburgischen Verfassungsschutz geführt hat.


screenshot: ipr

Dieses Foto entstand am 3. Dezember 2018 in Templin. Die abgebildeten Personen hatten an einer Nazi-Demonstration gegen die Asylpolitik der Bundesregierung teilgenommen, die laut Verfassungsschutz von dem rechtsextremistischen Liedermacher Sebastian Döhring alias Fylgien organisiert worden war. Drei der dort abgebildeten Personen stehen am Samstag als AfD-Vorständler am Rednerpult.

Von links nach rechts sind das Felix Teichner, heute AfD Kreischef und Landtagsabgeordneter, Aribert Christ, heute 2. Stellvertreter und Stadtver- ordneter in Templin und Sebastian Schubert, 1. Stellvertreter.

Der vierte Redner soll Hannes Gnauck sein, ein Bundeswehrsoldat, der ins Visier des Militärischen Abschirmdienstes geraten ist und Gefahr läuft wegen mangelnder Verfassungstreue aus der Truppe entlassen zu werden. Über mögliche Gründe schweigen sich MAD und Gnauck aus.

Das Foto hat gegenrede.info in der Whatsapp-Gruppe "Mitgliederbegehren" entdeckt. Dort tauschten sich unter anderen die drei AfDler aus. Zweck der Gruppe war es, den Sturz des amtierenden Parteivorstandes des Landkreises um den AfD-Landtagsabgeordneten Jan-Ulrich Weiß vorzubereiten. Jan-Ulrich Weiß war im Februar 2018 wegen des Schmuggels von fast drei Millionen unversteuerten Zigaretten im Jahr 2013 aus den Niederlanden nach Großbritannien zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Aus den Unterhaltungen in der Gruppe geht hervor, dass der Landesvorstand in das Vorgehen eingebunden gewesen sein und die Aktion unterstützt haben soll. Die Männer waren letztendlich erfolgreich.


screenshot: ipr

In der Gruppe kommt es zur Diskussion über die Anti-Asyl Demo, die Anfang Dezember 2018 stattfinden soll. Felix Teichner schreibt dazu: "Ich wäre gerne dabei, kann nur jedem der dahin geht Mut zusprechen. Ich selbst beteilige mich aus taktischen Gründen vorerst nur an AfD-Demos oder an welchen die von der AfD unterstützt werden. Ich bitte euch um Verständnis. Da demonstrieren keine Nazis, sondern Menschen aus unserer Nachbarschaft- dazu stehe ich."

Nachdem der Entschluss gefasst worden ist, an der Demo teilzunehmen, outet sich Aribert Christ: "Ich wollte mich nicht so weit hinauslehnen. Aber ich vertraue Euch. Ich gehöre zu der Gruppe, die die Demo organisiert und finanziert." Und damit den AfDlern keine Zusammenarbeit mit den Rechtsextremisten vorgeworfen werden kann, ergänzt er: "Bin so verblieben, das ich am Mo so tue, als wenn ich die Kameraden nicht kenne. Wir AfDler gehen gemeinsam und das ist so abgesprochen."


Felix Teichner (links) lauscht am 25.02.2019
der Rede des Nazis Dieter Riefling. Mit der
braunen Mütze Sebastian Schubert
foto: presseservice rathenow

Gesagt getan. Ähnlich läuft es dann auf der Demo vom 26. Februar 2019. Döhring und Christ organisieren und finanzieren. Der NPD-Vorsitzende Oberhavel stellt den Lautsprecherwagen, die rechte Szene Templins die Ordner und der rechtsextremistische Wanderprediger Dieter Riefling, einst Mitglied der verbotenen Vereinigung "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei", hält die Hauptrede. Die AfDler marschieren mit und tun so als könnte sie kein Wässerchen trüben.

Der Vorstand um Jan-Ulrich Weiß beantragt ein Parteiausschlussverfahren gegen Teichner, Schubert und Christ wegen der Zusammenarbeit mit den Nazis. Im Mai 2019 wird in der Uckermark ein neuer Parteivorstand gewählt. Der neue Vorstand zieht das Parteiausschlussverfahren zurück. Parteichef Teichner, sein 1. Stellvertreter Schubert und sein 2. Stellvertreter Christ sind natürlich in der Vorstandsrunde bei diesem Thema außen vor. Tatsächlich wird dann das Parteiordnungsverfahren eingestellt.

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