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news >> 2017 >> 170714_01

14.07.2017

Vor 15 Jahren wurde Marinus Schöberl ermordet

Die Täter leben unter uns

Prenzlau (ipr) Gestern wurde in Potzlow der Ermordung von Marinus Schöberl vor 15 Jahren gedacht. Die drei jungen Männer, die damals an der Tat beteiligt waren, sind mittlerweile wieder auf freien Fuß.

Der Mord an Marinus Schöberl sorgte durch seine Brutalität für Aufsehen. Das erste Mal nach dem Beitritt schaffte es die Uckermark in die überregionalen Schlagzeilen. Für das Dorf bis heute ein Trauma. Die Ermordung des damals 16-Jähringen durch den sogenannten Bordsteinkick und das anschließende Versenken in der Jauchegrube der ehemaligen LPG Schweinemastanlage wären wohl heute noch nicht aufgeklärt, hätte sein Kumpel und Mörder Marcel Sch. in einem lokalen Jugendclub nicht um 20 Euro gewettet, dass er wisse, wo die sterblichen Überreste zu finden seien.

Die drei Täter ärgerten sich über die weiten Hosen. Sie galten ihnen als Zeichen von Hip-Hop-Kultur. Sie folterten ihn bis er zugab, ein "Jude" zu sein. Sie ärgerten sich über die blondierten Haare, mit denen er versuche, »arisch« auszusehen. Alles nur Banalitäten auf dem Weg zum Mord.


Sebastian F. bei einer NPD-Mahn-
wache in Brüssowfoto: ipr

Vom Landgericht Neuruppin erhielt am 23. Oktober 2003 der zur Tatzeit minderjährige Sebastian F. zwei Jahre Jugendstrafe und wurde aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Haupttäter Manuel Sch. erhielt acht Jahre und sechs Monate Jugendstrafe. Sein erwachsener Bruder Marco, bei dem die Strafe aus dem Überfall auf einen Afrikaner aus Sierra Leone in Prenzlau hinzugezogen wurde, erhielt 15 Jahre Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes.

Im August 2004 revidierte der Bundesgerichtshof in Leipzig das Urteil. Eine andere Kammer des Landgerichts Neuruppin verhängte deshalb über Sebastian F. drei Jahre Jugendstrafe. Im Oktober 2010 wurde Marcel Sch. nach acht Jahren Haft entlassen und die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. Sein Bruder durfte im Sommer 2016 vorzeitig aus der Haft.

Selbsthilfegruppe "Rechte Gewalt"

Sebastian f. konnte die Chance der kürzesten Strafe des Trios nicht nutzen. Der Suff, sein Fahrrad und die lose Faust brachten ihn erneut vor Gericht und in den Knast. Die Wertung des Richters, er sei eine "tickende Zeitbombe", hat sich zum Glück für alle bis heute nicht bewahrheitet. Heute lebt er in Prenzlau und freut sich bei Facebook, dass "Basti Baum Faeller zum Sexiest Man Alive" gekürt wurde und dass er mit der Prenzlauer NPD Nazi Konzerte besuchen und Mahnwachen gegen Flüchtlinge abhalten darf.


screenshot: ipr

Vor kurzem soll er mit Marcel Sch. beim Einkaufen in einem Prenzlauer Supermarkt gesehen worden sein. Ein Hinweis darauf, dass sich Marcel Sch. tatsächlich wieder in der Nähe von Potzlow aufhält. Marcel Sch. hat bei seinem Weg über die Jugendhaftanstalt Wrietzen und einen schwurbelig machenden Dokumentarfilm und den Etappen Berlin, Prenzlau wieder zur rechten Szene gefunden. Bei Facebook bringt er das mit seiner Frau klar zum Ausdruck. "Good Night Left Side" als Fotorahmen für das verliebte Paar. Und Anzug und weißes Kleid zur Heirat Ende Juni. Spießers rechte Glückseligkeit. Interessant ist seine Facebook Freundschaft zu einem anderen Nazi und Mörder aus der Uckermark: Sven P., der gemeinsam mit Christian W. verantwortlich ist für den Tod von Bernd Köhler am 22. Juli 2008 in Templin. Bei diesem Freundeskreis darf natürlich Ramon A. nicht fehlen. Der hat sich kurz nach der Ermordung von Bern Köhler in die Nachrichten getreten, weil er einen jungen Templiner von Fahrrad geholt und mit dessen Kopf Fußball gespielt hat. Er saß bis heute mehrfach wegen politisch motivierter Delikte im Knast und ist erst seit wenigen Tagen wieder in Freiheit. Da entsteht sozusagen eine Selbsthilfegruppe "Rechte Gewalt".

Bleibt noch der große Bruder Marco. Den hat es nach dem Knast in Spremberg gehalten. Außer der Liebe zu einer Frau und ein wenig zu viel Deutschtümelei hat der zum Glück nichts weiter aufregendes auf seinem Facebook-Profil zu bieten.

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