![]() Nachrichten, Berichte, Analysen zum Rechtsextremismus in der Uckermark |
02.01.2015 Der III. Weg in der Uckermark Teil 1Annäherung an AngermündeAngermünde (ipr) Die kürzlich eröffnete Notunterkunft für Asylbewerber in Angermünde wartet noch auf ihren ersten Bewohner, da sind schon Aufkleber gegen Asylbewerber an öffentlichen Mülltonnen aufgetaucht. Sie stammen von der recht jungen Nazi-Partei Der III. Weg. Dazu gibt es auch einen Artikel auf der Website der Partei. Emil Wendland – 1992 in Neuruppin, Horst Wennersdorf – 1993 in Fürstenwalde und Dieter Manzkeim – 2001 in Dahlewitz. Das sind nur drei Obdachlose in Brandenburg, die von Nazis zu Tode geprügelt oder getreten wurden. "Penner klatschen" nennen das die rechten Kameraden.
Aber plötzlich haben die Rechtsextremisten ein Herz für die "Deutschen Obdachlosen" entdeckt. 300.000 in ganz Deutschland werden gegen die Flüchtlingsunterkunft in Angermünde in Stellung gebracht. Wahrscheinlich weiß der unbekannte Schreiberling des III. Weges gar nicht, dass Obdachlosenunterkünfte Sache der Gemeinde und die Notunterkunft in Angermünde Sache des Landkreises ist. Er also Äpfel mit Birnen vergleicht. Dazu gibt es seit Ende 2010 gar kein Obdachlosenasyl mehr in der Stadt. Das hatte damals fünf Bewohner und kostete die Stadt runde 55.000 Euro. Heute werden die Wohnungslosen Angermündes in Schwedt untergebracht und der Posten im Haushalt beträgt um die 30.000 Euro im Jahr. Über den gnadenlosen Umgang mit Wohnungslosen im "III. Reich", die als Asoziale ins Gefängnis gesteckt, kaserniert oder sogar mit schwarzem Winkel im Konzentrationslager landeten, schweigt sich der III. Weg lieber aus. Förderschule Angermünde Das zweite Argument, das bemüht wird, ist die Mär von der Förderschule, die sang- und klanglos geschlossen wurde, weil der Landkreis kein Geld mehr für die Instandhaltung der Schulgebäude ausgeben wollte. Und jetzt, da die Asylbewerber kämen, sei das Geld plötzlich da. Tatsächlich war der hohe Sanierungsbedarf ein gewichtiges Argument bei der Schließung der Schule. Allerdings, die Asylbewerber sind in dem Teil der Schule untergebracht, der bereits in den 90er Jahren saniert worden war und der die Mensa der Schule enthielt. Der Konflikt um die Förderschule hatte 2010 seinen Höhepunkt. Elternvertreter, Lehrerinnenkollegium, Schulsozialarbeiter und die Stadt Angermünde hatten einer Schließung und der Integration in die Ehm-Welk-Schule massiv widersprochen. Der Landkreis als Schulträger argumentierte neben den hohen Sanierungskosten für die Gebäude mit sinkenden Schülerzahlen. Der Förderklassen sollten allerdings integriert in andere Schulen weitergeführt werden.
Ein Kompromiss wurde gefunden, der es den Schülern ermöglichte, ihre Ausbildung an der Förderschule zu beenden. Die nachfolgenden Förderjahrgänge wurden dann stufenweise in die anderen Angermünder Schulen integriert. Geschlossen wurde die Schule aber 2013 auf Antrag der Schulleitung. Von vormals insgesamt rund 100 Schülern wäre im Schuljahr 13/14 die Schülerzahl auf 36 in drei Klassen und dazu drei Lehrer geschrumpft. Damit wäre kein Schulbetrieb mehr aufrecht zu erhalten gewesen. Ins gleiche Horn bläst übrigens auch der NPD-Kreistagsabgeordnete David Weide. Zu dumm nur, dass die NPD schon 2010 im Kreistag saß, und die beiden NPD-Abgeordneten sich regelmäßig nicht an den Ausschusssitzungen und den Debatten beteiligten. Er hätte sich bei seinen Vorgängern darüber mal informieren sollen bevor er in die Tasten haut. Kampfbegriffe Der III. Weg nutzt für seine Polemiken gegen Asylbewerber Kampfbegriffe. Unterkünfte für Asylbewerber seien es nun Wohnungen oder Heime werden grundsätzlich als "Asyl-Kaschemmen" bezeichnet. Eine Kaschemme ist eine Verbrecherkneipe, ein Gasthaus mit zweifelhaftem Ruf. Das Wort, oft hergeleitet aus der Sprache der Roma, soll gezielt negative Assoziationen wecken. Hier sollen die Bewohner der Häuser von Natur aus böse stigmatisiert werden. Ähnlich wird mit dem politischen Gegner umgegangen. Zitat: "Mitte Dezember kam es dann zur ersten öffentlichen Wahrnehmung der Überfremdungsbefürworter, als sich ca. 20 Gestalten vor der neuen Asyl-Kaschemme mit Kerzen versammelten. Diese stellten sich symbolisch ca. 30 asylkritischen Bürgern gegenüber, die sich ebenfalls in der Nähe aufhielten, um ein Zeichen des Protests zu zeigen." Gestalten vor der Kaschemme – da hat sich jemand Gedanken gemacht. Diese asylkritischen Bürger setzen sich größtenteils aus Ehemaligen der Freien Nationalisten Uckermark zusammen. Und wenn man das Strafregister wälzen würde, käme da eine erkleckliche Anzahl an Straftaten zusammen. Dazu gibt es noch aktuelle Anklagen, die demnächst zu verhandeln sind. Die Bezeichnung Kaschemme passte - allerdingsnur solange sich einige Gesichter der "asylkritischen Bürger" in den Fenstern der Angermünder Flüchtlingsunterkunft spiegelten. ______________________________________ Sven Barthel schrieb am 09.01.2015 Manja schrieb am 05.01.2015 Sven Barthel schrieb am 04.01.2015 Sven Barthel ist in diesem Artikel nicht gemeint. Er war 2010 noch gar kein Kreistagsabgeordneter. Das wurde er erst Mitte 2012. (die red). Wolfgang Pfeiffer schrieb am 03.01.2015 ______________________________________ Ihre Meinung |