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news >> 2014 >> 081230_01

30.12.2008

Prozess um Mord in Templin beginnt im Januar

Rechte Gesinnung als Motiv

Neuruppin (ipr) Der Prozess um den Mord an dem 55-Jährigen Arbeitslosen Bernd K. in Templin wird voraussichtlich am 19. Januar 2009 beginnen. Angeklagt sind zwei Männer aus der rechtsextremen Szene Templins, Christian W. und Sven P., die ihr Opfer aus niedrigen Beweggründen getötet haben sollen.

Laut der Berliner Morgenpost sagte eine Sprecherin des Neuruppiner Landgerichts, dass die Hauptverhandlung wohl am 19. Januar beginnen wird. Allerdings müsse die Kammer noch über die Eröffnung der Hauptverhandlung befinden.

Für die Staatsanwaltschaft liegt das Motiv in erster Linie in der rechten Gesinnung der Angeschuldigten, mit der sie sich über ihrem – aus sozialen Gründen - für minderwertig erachteten Opfer erhaben fühlten. Im Obduktionsbericht ist von "massiver Gewalteinwirkung gegen den Kopf" die Rede. Die Männer sind des gemeinschaftlichen Mordes angeklagt.

Nach Informationen von „gegenrede.info“ sind vorerst sechs Verhandlungstage geplant. Am 12. März hofft das Gericht dann ein Urteil fällen zu können.

Der Mord war der traurige Höhepunkt eine Kette von Gewalttaten mit denen rechtsgesinnte junge Männer Templin überzogen. Opfer waren zumeist Punks. Die Stadtpolitiker und die gern zitierte Zivilgesellschaft hatten die Situation verschlafen.

Zumindest die Polizei reagierte. Im November 2007 wurde für den Schutzbereich Uckermark eine Konzeption zur Prävention rechtsextremer Straftaten beschlossen. Dazu gehörte unter anderem der Einsatz von Spezialkräften der Brandenburger Polizei wie Mega (mobile Einsatztrupps gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit) beziehungsweise Tomeg (täterorientierten Maßnahmen gegen extremistische Gewalt). Trotzdem kam es noch zu zahlreichen Übergriffen.

Seit Mitte diesen Jahres standen einige der rechten Schläger in Prenzlau und Neuruppin vor Gericht und wurden zu Haft- beziehungsweise Bewährungsstrafen verurteilt. So erhielt der Potzlowtäter Sebastian F. wegen zweier Körperverletzungen zwei Jahre und fünf Monate Gefängnis. Der Richter nannte ihn eine tickende Zeitbombe. Patrick K. sitzt in ebenfalls in Haft und hat noch mehrere Prozesse vor sich. Derzeit steht er wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung mit drei weiteren Angeklagten in Prenzlau vor dem Schöffengericht. Die Brüder Martin und Matthias M. wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt, müssen sich allerdings noch in weiteren Verfahren vor Gericht verantworten. Ebenfalls im Januar beginnt der Prozess gegen Ramon A. aus Milmersdorf, der kurz nach dem Mord in Templin dort einem 16-jährigen Hipphopper den Kiefer zertreten hatte, damit in die Schlagzeilen geriet und seitdem in Untersuchungshaft sitzt.

Kurz nach dem Mord bestritt der Bürgermeister Templins, Ulrich Schoeneich, noch das Vorhandensein einer rechten Szene und handelte sich damit heftigste Kritik von allen Seiten ein. Mittlerweile hat auch er verstanden, dass in seiner Stadt eine rechte Szene existiert und massiv aus dem Ruder gelaufen ist.



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