![]() Nachrichten, Berichte, Analysen zum Rechtsextremismus in der Uckermark |
06.10.2008 Zum Artikel: "Mecklenburg-Vorpommern lässt grüßen" vom 02.10.2008Mehr als ein Schönheitsfehler ...von Bernhard Nürnberger Mehr als ein Schönheitfehler ist die Überschrift des Artikels. Sie suggeriert, dass MeckVor fest in der Hand der Rechten ist. So geht man nicht mit Nachbarn um, mein Lieber. Herr Kumkar beschwichtigt nicht, er differenziert, erklärt, versucht eine Analyse. Und er ist entsetzt. Aus dem, war Herr Frank aus Bagemühl sagt, entnehme ich keineswegs, dass der "das mit den Nazi-Wählern" klarer sieht als Herr Kumkar. Er weiß zwar nix von der Wahl, hat aber eine Erklärung parat. Super. Das klingt so, als habe er gar nicht gewählt. Ihn stören die Polen, sagt er. Kein Wunder, das will der Journalist hören, das wird gedruckt und bleibt nicht auf den Stammtisch beschränkt. Vielleicht hat ja der neue polnische Nachbar vergessen, mal über den Zaun zu grüßen: Gutten Tack, jestem Andschej.... Ich wette, wenn er deutsch lernt, sitzen sie bald in der "Linde", unterhalten sich über den Unterschied von kurva und Kurve und schimpfen gemeinsam auf die Russen. Vorausgesetzt, er kann es sich leisten in die Linde zu gehen, vorausgesetzt, er hat keine Schwellenangst vor dem internationalen Chick der Gaststätte. Übrigens: Wenn die Jungs aus der Clique in Bagemühl nicht mit NPD-Stickern rum laufen, ist das ein gutes Zeichen. Und spricht für's Dorf. Nichts Beschwichtigenden kann ich an der Formulierung: "die Spitze des Eisberges der antipolnischen Ressentiments" finden. Kein Schönheitsfehler, sondern fatal, weil Fronten aufbauend, verhärtend. Gräben, die zweifellos da sind, vertiefend, verschwommene Feindbilder definierend. Wer hat nicht die Sehnsucht, die Welt einzuteilen in Schwarz und Weiß, in gut und böse. Ich billige es Ureinwohnern der Nordostuckermark zu, beunruhigt und verunsichert zu sein, wenn viele neue Menschen, Fremde sich in ihrer Heimat ansiedeln, in manchen Dörfern schon die Mehrheit bilden, Leute aus der Stadt Berlin z. B. und Polen z. B. aus Stettin und gleichzeitig Familienmitglieder gezwungen sind wegzuziehen. Ich rede hier nicht von denen, die mit den Veränderungen leben und leben können oder die sie durchaus auch positiv sehen; was die Mehrheit ist. Eine Nachbarin in Wollschow sagte mir im vergangenen Jahr, in 10, 20 Jahren ist unser Dorf ein anderes, nicht mehr das, was es war. Das ist realistisch und das muss ihr nicht gefallen. Man muss ihre Sorge ernst nehmen. Aber sie wählt nicht NPD. Sie als Teil eines unterstellten rechtsradikalen Eisbergs unter der Oberfläche der Uckermark zu sehen, ist kontraproduktiv. Mit so einer Behauptung löst Du jedenfalls keine Vorurteile auf. Mit so einer klischeehaften Zuordnung vergrößerst Du das Umfeld des Rechtsextremismus. Die Geister in den Flaschen (!), man muss sie nicht rufen. Die Scharfmacher sind da: Gegen die neu zuziehenden städtischen Deutschen, siehe Beispiel ENERTRAG-Kampagne im Anzeigenkurier: Dem Windradackerbesitzer XY aus Uckerland in den Mund gelegt, die Städter wollten die Uckermärker "vergraulen". (Teile und herrsche) Gegen die neu zu ziehenden Polen, Frau Hack-NPD spricht von einem politisch gewolltem Bevölkerungsaustausch in der Grenzregion. Nimm sie auf's Korn! |