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news >> 2021 >> 210421_01

21.04.2021

Potzlowtäter erneut vor Gericht

Sexistische Angriffe mit Haft bestraft

Prenzlau (ipr) Gestern wurde der Prenzlauer Nazi Marco Sch. nach der Beleidigung und sexueller Belästigung von zwei Frauen im Zustand der vorsätzlichen Volltrunkenheit vor dem Amtsgericht in Prenzlau zu acht Monaten Haft verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Da der 41-Jährige gerade eine achtmonatige Haftstrafe wegen eines Angriffs auf einen Flüchtling verbüßt, wurde daraus mit dem gestrigen Urteil eine vom Gesetz vorgesehene Gesamtstrafe von gebildet. Das Ergebnis: Insgesamt 11 Monate Haft für beide Taten.


Marco Sch. und Anwalt Matthias Schöneburg Anfang
Januar 2020 vor dem Amtsgericht in Prenzlau.foto: ipr

Zu Beginn des Prozesses ließ Marco Sch. seinen Anwalt erklären, dass er sich an nichts erinnern könne, was am Tattag geschehen ist. Aber etwa drei Wochen später habe er einen Anruf erhalten. Er habe die Stimmen der beiden Frauen und der Mannes wiedererkannt, die ihn am frühen Morgen des 26. Oktober 2019 nach Hause bringen wollten. Man habe sich mit ihn treffen wollen, um über die Rücknahme einer Anzeige zu reden.

Der Staatsanwalt erklärte gestern dazu, dass er keine Ermittlungen einleiten werde. Er halte es für unglaubwürdig auf der einen Seite sich an nichts erinnern zu können und dann drei Wochen später die Stimmen der drei Menschen am Telefon wiederzuerkennen. In ihren Aussagen bestritten die drei, dass sie je bei Marco Sch. angerufen haben.

Die HelferInnen

Aus den ZeugInnenaussagen ergibt sich ein Bild dieser Nacht. Am Abend des 25. Oktober 2019 hatte sich der alternde Nazi Marco Sch. mit jungen Kameraden im Prenzlauer Stadtpark die Hucke vollgesoffen. Etwa 1.9 Promille wurde später festgestellt. Ein Geburtstag war der Anlass. Marco Sch. war abgefüllt und aggressiv. Keiner von den Jungspunden schien in der Lage, den Mann nach Hause zu bringen.

Gegen ein Uhr am nächsten Morgen kamen Christina D., Marie H. und Patrick G. vorbei. Die beiden Frauen griffen auf Bitten der Jungen dem widerspenstigen ihnen unbekannten Mann unter die Arme und versuchten ihn nach Hause zu schleppen. Patrick G. half. Schnell gab es die ersten Beleidigungen: "Fotzen", "Schlampen", "blöde Kuh", was Männern heutzutage so einfällt, wenn ihnen Frauen zeigen, wo es langgeht. Patrick G. scheint nicht beleidigt worden zu sein.

Wenn Frauen zulangen

Nach den ersten Küssen auf die Wangen und Grapschereien an den Hintern, gab es von beiden Frauen die klare Ansage "Finger weg!". Patrick G. schlug vor, den Mann einfach zurück zu lassen. Im Georg-Dreke-Ring, beim überqueren der Straße, stolperte Marco Sch. über die Bordsteinkante, schlug der Länge nach hin und regte sich nicht mehr. Es wurden die Rettungssanitäter gerufen. Christine D. kniete neben dem Mann, schlug ihm leicht ins Gesicht. Er wachte auf, kam wieder hoch und griff ihr in den Schritt. Empörung! Ärger! Scham! Dann die Sätze: "Wir vergessen das, bringen dich ins Bett." Da griff er wieder zu. Diesmal schlug Marie H. ihm mit der Faust ins Gesicht. "Und was passierte dann?", wollte die Richterin wissen. "Er fiel wieder um", antwortete Marie H. trocken.


Marco Sch. (l.) und Marco M. jagen am 15.06.2020 einen
Flüchtlingfoto: privat

Als die Rettungssanitäter kamen, erhob sich Sch., der aus der Nase und im Gesicht blutete und nahm eine aggressive Haltung ein. Die Sanitäter flüchteten in ihren Wagen und alarmierten die Polizei. Diesmal schlug Patrick G. mit der Faust zu, auch ins Gesicht und beruhigte damit die Situation. Die herangeeilten Polizisten überzeugten dann Sch., sich von den Rettungssanitätern ins Krankenhaus fahren und dort behandeln zu lassen.

Der Lärm der Sirenen hatte zahlreiche Schaulustige auf Balkone und an die Fenster gelockt und die Gerüchteküche angeheizt. Im Netz war von drohenden Hausbesuchen die Rede. Bis dahin wussten die drei HelferInnen gar nicht, wen sie da nach Hause bringen wollten. Marco Sch. hatte fast 15 Jahre im Knast gesessen, weil er 2002 an der brutalen Tötung von Marinus Schöberl in Potzlow beteiligt war. Zumindest Christina D. machte das Angst. Und die Demütigungen durch die Griffe in den Schritt sind bei ihr noch heute präsent.

Die Staatsanwaltschaft hat die Verfahren gegen Patrick G. und Marie H. wegen der Faustschläge ins Gesicht von Marco Sch. eingestellt.

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